Gespräch mit der Kultusministerin

Gespräch mit der Kultusministerin

Nach­dem wir Ende April erneut schrift­lich im MK um einen Gesprächs­ter­min bei der Minis­te­rin gebe­ten hat­ten, traf Anfang Juli eine Ein­la­dung zu einem Tref­fen am 16.7. ein. Petra Groschang aus dem Vor­stand und ich fuh­ren nach Han­no­ver, um Frau Hei­li­gen­stadt die schwie­ri­ge Situa­ti­on der Bera­tungs­lehr­kräf­te ange­sichts der seit lan­gem viel zu knap­pen Res­sour­cen zu schil­dern und Ein­blick in die Pla­nung des MK zu erhalten.

Wir wur­den freund­lich emp­fan­gen und das Gespräch fand in ange­neh­mer Atmo­sphä­re im Bei­sein des für uns zustän­di­gen Minis­te­ri­al­rats Rose­lieb statt. Die Minis­te­rin zeig­te sich gut infor­miert, mach­te uns aber in der zen­tra­len Fra­ge der feh­len­den Bera­tungs­stun­den aus­drück­lich kei­ne Hoff­nung auf bal­di­ge Bes­se­rung. Offen­bar sind die Etat­mit­tel bis auf den letz­ten Cent für die Groß­pro­jek­te der rot-grü­nen Koali­ti­on (Ganz­tag, Inklu­si­on, Gesamt­schu­le) verplant.

Petra Groschang und ich haben Frau Hei­li­gen­stadt ein­dring­lich die viel­fäl­ti­gen, teil­wei­se sehr zeit­auf­wän­di­gen Tätig­kei­ten von Bera­tungs­leh­re­rin­nen und Bera­tungs­leh­rern und die zuneh­men­de Not der rat­su­chen­den Schü­le­rin­nen und Schü­ler geschil­dert. Dabei wur­de deut­lich, wie drin­gend end­lich eine ange­mes­se­ne (Wieder-)Aufstockung der Bera­tungs­stun­den ist. Nach unse­rem Ein­druck blieb die­se Dar­stel­lung nicht ganz ohne Wir­kung auf die Minis­te­rin, auch wenn kei­ne kon­kre­ten Zusa­gen gege­ben wurden.

Dar­über hin­aus mach­ten wir der Minis­te­rin unse­re Besorg­nis ange­sichts der abneh­men­den Zahl der nie­der­säch­si­schen Bera­tungs­lehr­kräf­te deut­lich. Wir sind zur Zeit noch ca. 1300, was bedeu­tet, dass nur rund ein Drit­tel aller Schu­len über eine Bera­tungs­leh­re­rin oder einen Bera­tungs­leh­rer ver­fügt – und das bei seit Jah­ren stei­gen­dem Bedarf. In den letz­ten Jah­ren konn­ten auf­grund der zu weni­gen ange­bo­te­nen Aus­bil­dungs­plät­ze (80) jeweils nur etwa 35 % der Schu­len berück­sich­tigt wer­den, die sich auf einen Platz in der Wei­ter­bil­dung bewor­ben haben. Hier haben wir dar­auf hin­ge­wie­sen, dass die inzwi­schen wie­der deut­lich erhöh­te Zahl der Schulpsycholog_innen durch­aus höhe­re Aus­bil­dungs­zah­len ermög­li­chen würde.

Frau Hei­li­gen­stadt bat uns, den Mit­glie­dern des vbn: und auch allen ande­ren Bera­tungs­leh­re­rin­nen und Bera­tungs­leh­rern ihren Dank für die geleis­te­te Arbeit zu über­mit­teln. Sie kün­dig­te außer­dem an, den vbn: an geeig­ne­ter Stel­le zu zukünf­ti­gen Dis­kus­sio­nen über die Aus­ge­stal­tung des Bera­tungs- und Unter­stüt­zungs­sys­tems in Nie­der­sach­sen einzuladen.

 

Die Bilanz des Tref­fens fällt aus unse­rer Sicht zwie­späl­tig aus. Auf der einen Sei­te steht die Bereit­schaft der Minis­te­rin, sich mit den Vertreter_innen der Bera­tungs­lehr­kräf­te zusam­men­zu­set­zen, unse­re Vor­stel­lun­gen anzu­hö­ren und uns Aus­kunft über die aktu­el­len Über­le­gun­gen des MK zu geben. Das ist eine Ges­te, die Wert­schät­zung signa­li­siert und zu der sich die schwarz-gel­ben Vor­gän­ger­re­gie­run­gen der letz­ten 10 Jah­re nicht in der Lage sahen. Ande­rer­seits gab es kei­ne kon­kre­ten Zusa­gen für die drin­gend nöti­ge Ver­grö­ße­rung unse­rer Beratungskapazitäten.

Genau das ist aber natür­lich die Fra­ge, an der sich ent­schei­den wird, ob der Regie­rungs­wech­sel eine sub­stan­zi­el­le Ver­bes­se­rung für uns als Bera­tungs­lehr­kräf­te – und das heißt vor allem für die auf uns ange­wie­se­nen Schü­le­rin­nen und Schü­ler – bedeu­tet oder ob sich die Ver­än­de­run­gen auf den Bereich des Atmo­sphä­ri­schen beschrän­ken. Wir wer­den sehen.

Jörg Lage­mann